15-55×21 Zoom €11

Beim stöbern nach einem Fernglas ohne Gummierung für AE bin ich über ein Zoom-Taschenspektiv gestolpert.
hanging-blurr
Tomorrowtop 15-55×21 Monokular
Bei Aliexpress ist es nicht mal zwei euro günstiger, und als Amazon-Prime Artikel wäre es noch vor dem Wochenende da… also Klick – bestellt.

Tja, was erwarte ich für 11€?
Eigentlich ein immer-dabei-Fernglasersatz für die Hosentasche, für Strand, Urlaub und Co, ein Spektiv mit dem man auch mal Mond und ggf. Planeten, Sternhaufen und Andromedagalaxie sowie Orionnebel schauen kann. Vielleicht zu optimistisch?
Andererseits leistet dass das 17,90€ Lidl-Fernglas auch, wenn man eins erwischt dass keine Doppelbilder zeigt oder andere Probleme aufweist.

Die Anleitung ist von einem Tasco Spektiv, dass hier schon für Verwirrung sorgt. Auf dem Karton stehen noch Kästchen mit 15-55x und 10-60x, angekreuzt ist keines von beiden. In der Tascoanleitung wird 8-30x beworben. Dazu später.

Dann fällt der starke Billig-Gummi-Geruch auf. Die Mechanik funktioniert aber tadellos, etwas fest, doch da wackelt nichts.
Die Gummi-Augenmuschel ist gut.
mechanik

Die Linsen scheinen vergütet, Spiegelungen nahm ich nicht störend wahr.
okular
objektiv

Eine Gürteltasche, die mich direkt in die 90er zurück versetzt, ist auch dabei. Auch eine Armschlaufe.
tasche

Leider ist nur ein Deckel für das Okular dabei, die Frontlinse hat jedoch keins.

Hier ein Landschaftsbild mit Mast, aufgenommen mit dem Handy. handycam
Mit der Brennweitenangabe in den EXIF-Bildinformationen und dem Cropfaktor bei einem 1/3″ Chip sollte die Kamera ca. 28mm Brennweite Kleinbildequivalent aufweisen, was mit dem Datenblatt des Vorgängergerätes übereinstimmt.

Mit dem Spektiv:
Mast, 15x Einstellung
15-3 15-2 15-1

Mast, 55x Einstellung
55-3 55-2 55-1

Der Vergleich via Kamera ist schwierig, da sich – vor Allem frei Hand – nur schwierig durch das Spektiv fotografieren lässt. Zwar gelingt das anhalten durch die gummierte Augenmuschel gut, doch scharfstellen und ruhig halten bei solchen Vergrößerungen ist fast unmöglich, zudem ist es nicht einfach genau mittig durch zu fotografieren. Bei schätzungsweise 0,7mm Austrittspupille auch nicht verwunderlich.
Subjektiv ist es bei der angeblich 15x Einstellung sehr gut in der Hand zu halten, bei 55x schwierig ruhig zu halten.
Text auf einem ca. 20m entfernten Schild lies sich am Besten bei etwas mehr als Minimalzoom ablesen, bei höchsten Zoom lässt der Kontrast einfach etwas zu wünschen übrig.

Strommast 15 bzw. 55x Einstellung
15-055-0

Visuell ist das Gesichtsfeld auf jeden Fall kleiner als am 10×50 Fernglas, in beiden Einstellungen. In Maximaleinstellung muss man zudem nah ran, was für Brillenträger ein Problem sein dürfte. Die Augenmuschel ist nicht verstellbar. Bei mittlerer Einstellung hat man einen guten Kompromiss zwischen Vergrößerung, Schärfe, und Gesichtsfeld sowie Einblickverhalten.

Sind das wirklich 15- beziehungsweise 55x?
Also schnell noch einen Vergleich mit dem 10x Fernglas machen.
Schwierig mit unterschiedlichem Gesichtsfeld zu beurteilen, selbst mit der Kamera, denn die genaue Position und Abbildung zu erreichen ist gar nicht so einfach.
Subjektiv würde ich sagen dass es nicht 15x sind, denn das kann man nicht so einfach in der Hand halten. Die Bilder zeigen aber dass das beobachtete Objekt etwas größer als durch das 10x ist.
10xzoom-fg-vgl

15xzoom-fg-vgl

Direktvergleich:
zoom-vgl

Also nicht 8x.
Skaliert man das 10x Fernglasbild auf 15x wird aber deutlich, dass es auch nicht wirklich 15x ist:
zoominterpolation

Also etwas dazwischen?
Wer weiß.

Allerdings kann ich die Mast-Bilder untereinander vergleichen, und es stellt sich heraus, dass der Zoombereich weiter ist, als angegeben.
interpolat2
Alles ein bisschen merkwürdig. Ich werde es dann morgen nochmal am Teleskop vergleichen.

Erschreckend ist dass die Aufnahme mit 55x auch nicht mehr Bildinformationen als das am PC hoch-skalierte 15x Bild hat- Das könnte aber auch an der Schärfe-Einstellung, die mit der Kamera schwierig ist, liegen.

//Nachtrag:
http://www.dx.com/p/12-50×21-sport-climbing-monocular-with-carrying-pouch-47348
Hier wird 12x50x angegeben.

Astronomietauglichkeit
Leider bewölkt. Doch ein paar Gedanken zur „Astrotauglichkeit“:
Gehen wir von 8x Vergrößerung aus, wären es mit 21mm Objektivdurchmesser 2,6mm Austrittspupille, mit 15x wären es 1,4mm. Mit einer AP um 2mm ist das Spektiv für ein paar Deepsky-Objekte interessant, so schlecht ist es bei geringer Zoomstufe nicht – leider ist das scheinbare Gesichtsfeld hier auch am kleinsten.
Bei Maximalzoom wäre die Austrittspupille je nach Angabe dann 0,38mm bzw. 0,7mm. Das flaue Bild spricht dafür dass die AP nahe oder unter 0,5mm ist. Das ist bei der Optikqualität eher unbrauchbar, bei weniger Zoom wären die Jupiterwolkenbänder und Saturnringe nicht zu sehen.
Da es nun schon dunkel ist, konnte ich keine zweite Vergleichsbildserie aufnehmen, zumal ich dazu das Teleskop aufbauen müsste.
Wäre 30x oder gar 55x möglich, könnten die Saturnringe trotz chromatischer Aberration (Farbsaum) und leichter Unschärfe zu erahnen sein… Wir werden sehen.

Fazit
Ob ich das Spektiv mit den zweifelhaften Angaben behalten soll, weiß ich noch nicht. Bei der nächsten klaren Nacht wird es ausprobiert, und sollte es seinen Zweck trotz der abweichenden Vergrößerung erfüllen, so ist es für den Preis auch in Ordnung.

Generell werde ich aber nach einem besseren Spektiv Ausschau halten, da mir der Formfaktor gefällt. Vielleicht nehme ich dann aber eine Festbrennweite.

Ich wollte eigentlich ein Spektiv mit Seilstativ mit dem man auch spontan mal jemandem sagen kann: „Schau, das ist Saturn“, aber dafür müsste ich wohl ein Besseres – und leider größeres – wählen.

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